Dieser Begriff ist vielen nicht bekannt, denn die Methode existiert auch noch nicht lange. Was es damit auf sich hat und welche Vor- und Nachteile bisher bekannt sind, erfährst du in diesem Post.

Unterschied der Floren: Kaiserschnitt vs. vaginale Geburt

Kinder, die per Kaiserschnitt zur Welt gebracht werden, kommen nicht mit dem mütterlichen Vaginalsekret in Kontakt. Nachweislich haben sie dadurch einen anderen Bakterienhaushalt, als Kinder, die auf natürlichem Weg geboren werden. Deren Darmflora ähnelt nämlich der Vaginalflora der Mutter. 

Bei sogenannten “Kaiserschnittbabys” wiederum werden Bakterien im Darm nachgewiesen, die sonst nur auf Händen und im Gesicht vorgefunden werden, somit ist ihre Keimflora überwiegend mit Hautbakterien besiedelt. Dies geschieht bei der Geburt durch den ersten Kontakt im Kreißsaal.

Die Forschung über gesundheitliche Folgen der Kaiserschnittgeburt ist stark angeregt und aktuelle Ergebnisse lassen auf eine positive Wirkung der mütterlichen Vaginalflora auf das Neugeborene schliessen. 

Um Kaiserschnittbabys dennoch mit den notwendigen, bei der natürlichen Geburt vorhandenen, Bakterien zur Bildung eines intakten Immunsystems in Kontakt zu bringen, wird das “Vaginal Seeding” eingesetzt.

Die Vaginal Seeding Methode

Vor der Kaiserschnitt Geburt wird der Mutter eine in steriler Kochsalzlösung getränkte Mullbinde in die Scheide eingeführt. Die Binde saugt das Vaginalsekret auf, wird kurz vor der OP raus genommen und wird während der OP in einem sterilen Behältnis aufbewahrt. 

Direkt nach der Geburt wird das Baby mit der Binde im Gesicht eingerieben, sodass auch seine Schleimhäute mit dem Sekret in Kontakt kommen. Die Bakterien der Mutter werden auf das Kind “gesät”, daher wird die Methode Vaginal Seeding genannt.

Wieso Vaginal Seeding?

„Nachweislich haben Kaiserschnittkinder eine höhere Wahrscheinlichkeit, Krankheiten wie Adipositas, Diabetes und Allergien zu bekommen“, sagt Frank Louwen von der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Asthma, Darmerkrankungen, Immunschwächen und Infektion durch Krankenhauskeime kommen ebenso vermehrt vor. 

Mit der Vaginal Seeding Methode wird versucht den Prozess eines Kaiserschnitts so nah wie möglich an den einer vaginalen Geburt zu bringen und die Umstände so zu gestalten, dass eben genannte Risiken minimiert werden können.

Bei einer natürlichen Geburt wiederum kommt das Kind auf dem Weg durch den Vaginaltrakt in Verbindung mit Bakterien, vor allem Milchsäurebakterien, die sich in der Haut, den Schleimhäuten, sowie im Magen-Darm-Bereich ansiedeln und helfen den Aufbau des Immunsystems zu fördern.

Was du tun kannst

  • Informiere dich im Vorfeld über die Methode. 
  • Besprich deine konkreten Wünsche mit deinem Partner, deiner Hebamme und den zuständigen Ärzten bei der Geburtsplanung. 
  • Suche dir ein Krankenhaus in dem Vaginal Seeding durchgeführt wird. Nicht alle Krankenhäuser unterstützen diese Prozedur. 

 

Sabine, eine Mutter von Zwillingen, entschied sich dafür und teilt ihre Erfahrungen:

Als sie mit ihrer Hebamme darüber sprach, war diese positiv überrascht von Sabines Wunsch und ihrer Kenntnis darüber. Sie stimmte dem zu und führte die Methode bei der Geburt durch.

Auf die Frage, ob Sabine Bedenken hatte, antwortete sie: “Nein, gar keine. Bei einer natürlichen Geburt kommt das Baby mit den gleichen Keimen in Berührung, warum sollte es dann schaden.”

Sie empfiehlt die Methode weiter und rät werdenden Müttern sich gut zu informieren und bei der Anmeldung selbst danach zu fragen, da die Krankenhäuser es meist nicht von alleine anbieten.

 

Unter dem nachstehenden Link findest du das ganze Interview:

http://www.maternita.de/vaginal-seeding-bei-kaiserschnitt-ein-erfahrungsbericht-3334.html

Risiken

Einige Ärzte und Forscher warnen vor dem Risiko, dass krankheitserregende Mikroorganismen und unerwünschte Erreger bei dem Vorgang auf das Kind übertragen werden können, was zu lebensbedrohlichen Krankheiten führen kann. 

Pränatale Tests sind demnach empfehlenswert. Dabei wird dein Vaginalsekret unter anderem auf Streptokokken, Herpesviren und Chlamydien getestet und geprüft, ob du Vaginal Seeding durchführen kannst.

Manche Experten raten von der Methode ab, da noch nicht ausreichend fundierte Studien dazu vorliegen. Laut DGGG ist die Methode so neu, dass es noch keine expliziten Belege für einen langfristigen Erfolg gibt.

Forschung

Zur Zeit laufen weltweit zwar etliche Studien, aber die Ergebnisse liegen erst in einigen Jahren vor. Dabei testen Forscher anhand der Darmflora der Kinder ob Zusammenhänge zwischen Vaginal Seeding und Erkrankungsrisiken bestehen.

Laut einer aktuellen Studie (nachzulesen bei Nature Medicine: Dominguez-Bello et al. 2016) ähnelte die Darmflora von Kaiserschnittbabys mit Vaginal Seeding deutlich derer, die vagnial geboren wurden.

Der Gynäkologe Matthias Wenderlein sieht genauso wie Sabine auch keinen Grund zur Sorge, denn “die Neugeborenen werden dabei keinem anderen Risiko ausgesetzt als Kinder, die auf natürliche Weise zur Welt kommen.”

Katrine unterrichtet Yoga für Kaiserschnitt-Mamas vom Herzen. Es wird ein vertrauensvoller Raum geschaffen, in dem Frauen ihre Geschickte loswerden können, egal ob der Kaiserschnitt geplant oder akut war. Voneinander zu lernen ist für sie so bedeutsam und lohnend.  

Weitere Informationen: https://vitamin-bewegung.de/ruckbildungskurs-nach-kaiserschnitt

Katrine Kroløkke Allibert

Katrine ist es wichtig ein gesundes Training anzubieten. Zusammen sprechen wir über und erarbeiten Körperstellungen, die Wahrnehmung vom Selbst und Atemübungen. Ihre Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in allen Levels ist für sie purer Genuss.

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