Mein erstes Kind ist per Notkaiserschnitt zur Welt gekommen. Es war ein großer Schock für mich und ich habe lange Zeit danach darüber getrauert, dass mir eine vaginale Geburt und ein schöner Weg in die Mutterschaft beraubt wurde. Deswegen hatte ich den starken Wunsch mein zweites Baby vaginal zu entbinden.

Es kann losgehen

Ich hatte ein paar Wochen lang Vor- und Senkwehen und habe mich riesig darüber gefreut. Mein Körper hat mir dieses Mal mitgeteilt, dass es bald losgehen sollte. Pfingstsonntag sind die Wehen doller geworden und auch so, dass ich mich zurückziehen musste. Yeah!

Ich dachte jetzt geht es richtig los, aber vor Montagmorgen haben die Wehen in der Kraft nicht richtig zugenommen. Ich habe meine geübte Atemtechnik eingesetzt und alles lief super soweit. Nach ein paar Stunden wurde ich aber doch ein bisschen nervös, da ich ja lange Zeit Vorwehen hatte und dachte es könnte jetzt vielleicht plötzlich schnell gehen.

Mein Mann hat den Kreißsaal und das Taxi angerufen und als wir gehen wollten kam meine Mutter mit meinem Sohn vom Spielplatz zurück. Mein Sohn war so süß, wie er sich an die Wand stützte um mich und meine Atmung nachzumachen! Wären die Schmerzen nicht so doll gewesen, hätte ich ihn ganz doll abgeknutscht.

Auf dem Weg

Mir wurde sehr heiß im Auto und die Schmerzen hielten mich gefangen. Zum Glück hatten wir eine Tüte dabei – die nach diesen 15 Minuten Fahrt sowas von voll war. Armer Taxifahrer. Aber er meinte er kennt das alles, er hat selber Kinder. Auch wenn das Übergeben nicht schön war, waren wir beide trotzdem sehr ruhig und kamen “entspannt” im Kreißsaal an.

Die Hebamme am Empfang hat mich erst richtig genervt. Ich habe gesagt, dass mein Mann schon vorab angerufen hatte, aber das hat ihr nicht gereicht. Sie war ja nicht am Telefon. Unter großen Schmerzen war ich nicht sehr verständnisvoll, aber habe ihr unsere Geschichte noch einmal geschildert. 

Mitten in meinem Wehensturm hat sie zunächst meine Atmung kritisiert, da sie dieses Konzept nicht kannte. Ich habe meinen Mann gebeten ihr zu erklären, was ich da mache. Und so wie ich ihn kenne und liebe, hat er so wenig Informationen wie möglich gegeben: “Sie hat es so geübt und möchtet das weiter machen”. Wäre ich nicht in so einer Schmerzhölle gewesen, hätte ich mich darüber totgelacht.

Ich wurde, nach meinem Wunsch, sitzend an dem CTG angebracht. Einen halben Traubenzucker gegessen und dann wieder gekotzt! Ah, wie schön es ist eine Kandidatin für einen Wehensturm zu sein und dabei zu kotzen vor Schmerz! Eine halbe Stunde später war die Untersuchung angesagt. Ich war mir sicher, dass ich mich schon 3-4cm geöffnet hatte, sodass ich mich schon geärgert habe, als sie mir mitteilten, es wäre 1cm.

Tiefer in die Knie, danke!

Die Hebamme erklärte mir, dass das Köpfchen vom Kind weit oben lag (eine der vielen Probleme bei meiner ersten Geburt), und meinte, dass ich gerne weiter atmen könne, wie ich es geübt habe, aber da der Kopf sich tiefer senken musste, empfahl sie es nicht und gab mir dafür anatomische Gründe.

Gut, die Atmung die ich so fleißig geübt hatte, habe ich verworfen. Die Hebamme hat mir dann ein unangenehmes Tief-die-Knie-Beugen-und-dabei-die-Hüfte-schaukeln-und-kippen gezeigt und mich weiter zum Ultraschall geschickt.

Anschließend sind wir den Krankenhausflur hoch und runter gelaufen. Mein Mann hat mich die ganze Zeit wundervoll unterstützt. Ob es das Ich-glaube-ich-muss-Pipi-machen, Ich-muss-kotzen oder das Festhalten von meinen Handgelenken, sodass ich in die Tief-die-Knie-beugen-Übung gehen konnte war – er war da!

Wir sind 2-3 Stunden lang mit Kotztüte in der Hand, im Kreis vorbei am Klo und völlig erschöpft um die einzigen zwei Stühle im Flur herum gelatscht. Dabei war mein absolutes Highlight, wenn mein Mann mich, während ich viel Schmerz, Müdigkeit und eine Wehe nach der anderen ohne Pause hatte, fragte, ob ich nicht tiefer in die Knie gehen sollte.

Willst du mich verarschen? Gerne tausche ich mit dir! 🙂

Kann ich jetzt bitte entbinden?

Ich war schon ziemlich angeschlagen, also sind wir wieder zurück zum Kreißsaal gelaufen und haben einen Raum bekommen. Schichtwechsel war gerade angesagt und ich habe eine andere Hebamme bekommen. Sie hat wieder ein CTG gemacht und mir währenddessen Akupunktur für die Schmerzen gegeben, da sie sehen konnte, dass ich am Leiden war.

Dann die Untersuchung. Wow! Nach dieser Zeit war ich schon 7cm geöffnet! Und ich habe gedacht: Jetzt dauert die Geburt nur noch 2-3 Stunden (ah, wie naiv man doch sein kann). Leider hat die Akupunkturbehandlung für mich nichts gebracht, aber ich könnte die Schmerzen noch aushalten.

Während meiner Wehenstürme musste ich mich immer wieder zusammenreißen. Jedes mal wenn es losging, habe ich in meinem Kopf angefangen zu singen: “Hjulene på bussen drejer rundt, rundt, rundt. Rundt, rundt rundt. Rundt, rundt, rundt”. Also “Die Räder vom Bus”. Na gut, ein bisschen Flucht vor der Situation hier und da ist doch nicht schlimm, oder?

 

Weiter gehts mit Teil 2: Meine Geburt – Ich gebe nicht auf! Und Teil 3: Meine Geburt – Meine VBAC.

 

Katrine unterrichtet Schwangerschaftsyoga, bei dem sie sehr viel Wert auf Meditation und Visualisierung der Geburt legt. Außerdem werden in der Yogapraxis die Muskeln gekräftigt, verschiedene Pranayamas für das Wohlbefinden ausgeführt, die Geburt wird geübt und durch Entspannungsübungen lernt die Frau während der Wehen loszulassen.

Weitere Informationen: https://vitamin-bewegung.de/schwangeren-yoga-berlin

Katrine Kroløkke Allibert

Katrine ist es wichtig ein gesundes Training anzubieten. Zusammen sprechen wir über und erarbeiten Körperstellungen, die Wahrnehmung vom Selbst und Atemübungen. Ihre Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in allen Levels ist für sie purer Genuss.

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