Bevor wir unser erstes Kind bekommen haben, war uns klar, dass wir gerne mehrere haben möchten und auch relativ nah aneinander. Die zweite Schwangerschaft kam jedoch früher als gedacht und war alles andere als einfach!

Schwanger nach einem Kaiserschnitt

Nach der Geburt meines Sohnes, welche mit einem Kaiserschnitt endete, wollte ich in der ersten Zeit wieder schwanger werden, nur um mir selber zu beweisen, dass ich “richtig” gebären kann. Mir ist klar, dass ein Kaiserschnitt genauso “richtig” ist wie eine vaginale Geburt, die Gefühle dazu kann man aber nicht immer kontrollieren.

Als unser Sohn 1 Jahr alt wurde und wir erlebt haben wie pflegeleicht er ist, haben wir uns entschieden, dass wir langsam wieder probieren könnten, schwanger zu werden. Jetzt auch, weil ich noch ein Kind wollte und nicht nur die “traumhafte”, vaginale Geburt.

Mit einem Kaiserschnitt in der Tasche heißt es aber, dass es schwieriger sein kann wieder schwanger zu werden. Durch das Narbengewebe ist eine eingeschränkte Fläche in der Gebärmutter vorhanden, an der sich das befruchtete Ei festmachen kann. Auch Verletzungen sind während der OP möglich, die weitere Schwangerschaften erschweren können. 

Wie lange wird es dauern bevor ich schwanger werde?

Ich habe gedacht: “Es wird sowieso dauern, also gleich loslegen!”. Aber wie fast alles rund um die Schwangerschaft, kann man nichts kontrollieren oder planen. Ich habe sofort gespürt, dass ich schwanger bin und habe den Test gemacht. 

Ich mache also Pipi auf das Ding und nach die 3 Minuten muss ich einsehen: ICH BIN TATSÄCHLICH SCHWANGER! Ich rufe meinen Mann zu mir ins Badezimmer und schließe die Tür. Wir beide schauen uns ungläubig an und fangen an zu lachen! Es bleibt bei der “One shot man”-Taktik, wie bei der ersten Schwangerschaft.

Lange hatten wir das “Wir können es kaum glauben”-Gefühl und mussten immer wieder darüber lachen. Wenn man bedenkt, dass nur ungefähr 25% der gesunden, jungen Pärchen innerhalb des ersten Monats schwanger werden und ich dazu noch mit dem doofen Narbengewebe belastet bin, ist es wirklich ein Wunder, dass wir sofort schwanger geworden sind.

Folgt bitte Kopf und Körper!

Ich hatte Schwierigkeiten dem Ganzen gedanklich zu folgen, dass ich schon wieder schwanger bin. Ich hatte mit mindestens 6 Monaten voller Versuche gerechten. Man hat mir das auch sofort angesehen und ich hätte einfach gerne mehr Zeit gehabt um alles zu verdauen. Auch wenn es eine total schöne Sache ist.

Im ersten Trimester absolvierte ich die meisten Stunden meiner Weiterbildung, dazu kam die alltägliche Hausarbeit, mein Sohn war ständig krank und jede zweite Woche von der Kita zu Hause und ich war so unglaublich erschöpft die ganze Zeit.

Manchmal war ich sogar genervt davon schwanger zu sein. Ich konnte nicht das, was ich tun wollte! Ich habe sofort eine Schwäche in meinem Zentrum gespürt und habe mich generell auch sehr schlapp gefühlt. Dazu kamen viele Ängste vor einer frühen Fehlgeburt und viele komische Träume. So hatte ich es von der ersten Schwangerschaft nicht in Erinnerung! Zum Glück sagt man, dass man sich im zweiten Trimester wieder fitter fühlen wird.

Fit im zweiten Trimester – oder auch nicht…

Eine lange Pause über Weihnachten tat sehr gut, anschließend nur 3 Monate volle Kanne arbeiten. Es war also alles überschaubar. Die Feindiagnostik stand vor der Tür und voller Vorfreude gingen wir hin.

Die Feindiagnostik wurde von einer Fachärztin durchgeführt. Sie erzählte uns, dass die Plazenta weit unten lag, was zu einem Kaiserschnitt führen könnte, aber sie wollte den Chefarzt am Ende der Ultraschalluntersuchung hereinbringen, um sicher zu sein.

Während des ganzen Ultraschalls musste ich mich so zusammenreißen, um nicht loszuheulen. Noch einen Kaiserschnitt? NEIN DANKE! Ich habe von der vaginalen Geburt geträumt und ich möchte es so haben. Darüber, dass es meinem Baby im Bauch gut ging, konnte ich mich leider überhaupt nicht freuen.

Plazenta Prävia und Vasa Prävia Befund

Die “Diagnose”

Der Chefarzt kam rein, hat sich das Ganze blitzschnell angeschaut und geäußert, dass ich eine “Plazenta Prävia” und dazu auch noch “Vasa Prävia” habe. Er meinte, dass es keine Chance für Verbesserungen gibt (Hallo, ich bin in der 23. SSW!) und, dass ich mich jetzt mit dem Gedanken an einen Kaiserschnitt anfreunden muss.

Ich weiss nicht, wer sein Mittagessen geklaut hat, aber in meinen Augen war das bestimmt nicht der richtige Umgang mit einer Patientin. Und noch dazu eine schwangere, bei der die Emotionen sehr offen lagen. An meine Vorgeschichte hätte er auch mal denken können.

Totaler Zusammenbruch

Okay, erstens kann ich mich überhaupt nicht freuen, dass es dem Baby gut geht – hallo, schlechtes Gewissen. Zweitens habe ich geäußert, wie schlimm meine erste Geburt für mich war, aber jetzt soll ich “einfach” drüber stehen. Drittens, wenn ich bluten sollte, soll ich sofort die Feuerwehr anrufen. Wenn die Blutung nämlich vom Baby aus kommt, muss es schleunigst raus, damit es überlebt. Also rechnet damit, dass es ein Frühchen wird.

Entschuldigung, WAS BITTE????

Plazenta Prävia

Zum Glück hatte ich am nächsten Tag einen Termin beim Frauenarzt. Die Ärztin dort meinte, dass die “Plazenta Prävia Totalis” nur kurz vor dem Muttermund lag. Dieses Phänomen wird häufig bei Schwangeren nach einem Kaiserschnitt gesehen. Wieso, weiß man nicht ganz genau, aber das befruchtete Ei wird irgendwie von der Narbe angelockt.

Mit einer “Plazenta Prävia Totalis” gibt es keinen anderen Weg für das Baby, als durch einen Kaiserschnitt entbunden zu werden, da die Plazenta komplett vor dem Muttermund liegt. Um eine vaginale Geburt durchzuführen muss die Plazenta wegen eines hohen Blutungsrisikos mindestens 2 cm vom Muttermund entfernt sein.

Da dies aber bei mir so früh in der Schwangerschaft festgestellt wurde, gab es gute Chancen darauf, dass die Plazenta mit “hochgezogen” werden könnte, wenn die Gebärmutter weiter wächst (was sie bis der 36. SSW tut). Also ist die Aussage vom Arzt, dass es “gar keine Chance auf Verbesserungen” gibt, komplett falsch!

Vasa Prävia

Die freiliegenden Gefäße, “Vasa Prävia”, haben mich aber noch mehr zerrissen. Das sind Gefäße, die nicht von der Nabelschnur umhüllt sind und somit von der Plazenta bis zur Nabelschnur freiliegen. Dies bedeutet, dass wenn mein Körper an diesen Gefäßen bluten sollte, wäre es das Blut vom Kind und dieses könnte im schlimmsten Fall dadurch sterben. Aber wenn die Plazenta weiter vom Muttermund entfernt liegt, sind die Gefäße das natürlich auch, und dadurch wäre dann doch eine vaginale Geburt möglich.

Bis zu der Kontrolle 4 Wochen später, sollte ich bitte nicht fliegen, nichts Schweres tragen oder physisch aktiv sein. Ich sollte nichts tun, was eine Blutung provozieren könnte. 

Super, tschüss Yoga Retreat in Dänemark. Sohn, ich trage dich jetzt nicht mehr und naja, meinen Job lasse ich auch einfach sein. Alles gar kein Problem! Und die “cherry on top”: Rechnet mit einem Krankenhausaufenthalt ab der 34. Schwangerschaftswoche. Ich glaube ich habe das Gewinnspiel gewonnen!

Gedankenchaos und negative Gefühle pur

Ich habe mich so schlecht gefühlt. Der erste Gedanken war, dass ich nicht mehr schwanger sein wollte. Ich wollte mein Kind nicht mehr, weil ich einen Kaiserschnitt haben sollte. So stark waren die ersten Gedanken und dazu kam der Hass auf noch eine große abdominale OP. 

Die OP würde auch bedeuten, dass ich meinen Sohn sehr lange nicht tragen könne. Dass ich nicht mit ihm spielen könne. Ich hatte einfach unglaubliche Angst meine Beziehung zu meinem Sohn kaputt zu machen. Außerdem liegt man bis zu 2 Wochen nach einer abdominalen OP im Krankenhaus, 3 – 5 Tage nach einem Kaiserschnitt heißt es”: Tschüss Frau und viel Erfolg mit deinem Baby, das du fast nicht alleine tragen kannst.”

Zu Hause haben wir vieles geändert um allem, was ich nicht darf, entgegen zu kommen. Das mit der physischen Einschränkung hat ungefähr eine Woche angehalten, dann habe ich damit aufgehört. Es hilft weder dem Baby, noch mir, wenn ich dazu auch noch deprimiert werde. Also habe ich mich vorsichtig bewegt und mein Yoga und Tanzen fortgeführt.

Die Kontrollen

Ich war so ängstlich, weil ich das Kind natürlicherweise nicht verlieren wollte. Und wenn es ein Kaiserschnitt sein MUSS, ja, dann ist es halt so! Das Leben und die Sicherheit meines Kindes geht vor, das ist klar. Und ich bin fast dazu gekommen, einen Kaiserschnitt zu akzeptieren.

Wir haben uns viele Fragen für die Kontrolle 4 Wochen später ausgedacht. Der Chefarzt war dieses Mal netter und nicht so indifferent wie letztens. Er hat uns zugehört und gut geantwortet. Wenn es aber zu den Fragen rund um eine Kaisergeburt, das Auspulsieren der Nabelschnur, usw. kam, war er super konservativ und ist gar nicht auf uns eingegangen. 

Der Ultraschall hat aber gezeigt, dass die Plazenta über 2 cm vom Muttermund entfernt war und die vaginale Untersuchung hat gezeigt, dass die Gefäße auch nicht mehr davor lagen. Also wäre eine vaginale Geburt doch möglich. Da die Gefäße noch zu sehen waren, sollte ich immer noch aufmerksam wegen möglicher Blutungen bleiben. Zu der letzten Kontrolle weitere 4 Wochen später ist es status quo geblieben.

Der Umgang mit Schwangeren

Ich habe mich natürlich riesig über diese Nachricht gefreut, bin aber auch sauer geworden. Es ist mir unverständlich, wieso man so früh in einer Schwangerschaft etwas konstatiert, wobei die Möglichkeit auf Veränderung besteht! Meine Familie und ich haben so viele unnötige Sorgen gehabt! 

Natürlich bin ich froh zu wissen, dass ich aufmerksam wegen Blutungen sein sollte, mir hätte es aber gereicht, wenn der Arzt beim ersten Termin gesagt hätte: “Wir müssen observieren, wie die Plazenta wächst. Bei Blutungen bitte sofort kommen.” Nichts über Kaiserschnitt oder keine Hoffnung auf Verbesserungen.

Ohne ständig nachzuschauen, ob ich Blut in der Unterwäsche habe, Angst zu haben, ob diese eine Bewegung beim Unterricht jetzt zu viel war, ohne nachzudenken, ob ich meinen Sohn zu viel getragen habe, hätte es eine schönere Schwangerschaft sein können.

Die letzten paar Monate habe ich mit Meditation und Yoga genießen können. Und zum Glück ist alles gut gelaufen und ich hatte meine VBAC – vaginal birth after cesarean.

Katrine unterrichtet Schwangerschaftsyoga, bei dem sie sehr viel Wert auf Meditation und Visualisierung der Geburt legt. Außerdem werden in der Yogapraxis die Muskeln gekräftigt, verschiedene Pranayamas für das Wohlbefinden ausgeführt, die Geburt wird geübt und durch Entspannungsübungen lernt die Frau während der Wehen loszulassen.

Weitere Informationen: https://vitamin-bewegung.de/schwangeren-yoga-berlin

Katrine unterrichtet Yoga für Kaiserschnitt-Mamas vom Herzen. Es wird ein vertrauensvoller Raum geschaffen, in dem Frauen ihre Geschickte loswerden können, egal ob der Kaiserschnitt geplant oder akut war. Voneinander zu lernen ist für sie so bedeutsam und lohnend.  

Weitere Informationen: https://vitamin-bewegung.de/ruckbildungskurs-nach-kaiserschnitt

Katrine Kroløkke Allibert

Katrine ist es wichtig ein gesundes Training anzubieten. Zusammen sprechen wir über und erarbeiten Körperstellungen, die Wahrnehmung vom Selbst und Atemübungen. Ihre Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in allen Levels ist für sie purer Genuss.

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