Die Geburt meines ersten Kindes ist wirklich komplett anders verlaufen, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte eine super einfache Schwangerschaft mit fast keinen Beschwerden und habe deswegen erwartet, dass die Geburt genauso “leicht” verlaufen würde.

Dies ist mein Bericht darüber, wie ich zum ersten Mal Mama geworden bin – mit einem unerwünschten Kaiserschnitt. 

Wieder im Kreißsaal angekommen, habe ich mich auf dem Klo eingesperrt. Ich war da sehr sehr lange drin und hoffte innerlich, dass keiner in dieser Zeit auf die Toilette muss. Mein Mann hat geklopft, ein Untersuchungsraum ist für uns frei geworden.

Die Hebamme dort hat mir erzählt, dass sie keinen Platz für uns hätten. Aber wenn ich möchte, könnte sie gerne für eine Verlegung sorgen. “Öhhh. Ja danke, ich kann mich zwischen Kotzen, Scheißen und Wehen-Hölle nicht wirklich konzentrieren alle Krankenhäuser durch zu telefonieren!” habe ich gedacht.

Netterweise hat sie mir was gegen die Schmerzen gegeben, wonach ich wahrscheinlich sehr jämmerlich gefragt habe, was dann aber kaum geholfen hat. Das CTG sollte liegend sein – NEIN – lass mich bloß nicht still liegen. 

Aber liegen musste ich und damit hatte ich einfach verloren. Das Stillhalten hat meine letzte Kraft genommen. Die Schmerzen haben übernommen und ich habe aufgegeben. Nach 8 Stunden Körper Entleerung war es einfach zu Ende bei mir. 

Die Verlegung

Zwei Feuerwehrmänner sind gekommen um mich zum Krankenwagen zu bringen und sie haben gefragt, ob ich selber gehen kann oder auf die Liege will. Mein Mann hat gemeint, dass ich gehen will, da ich ihm erzählt habe, dass Liegen für mich sehr schlecht war. Aber weil ich einfach nicht mehr kämpfen konnte, habe ich mich auf die Liege mit einem “Ist egal.” gelegt. 

Mein Mann ist zum Auto gerannt und ich hatte eine nette Fahrt mit Blaulicht. Der eine Herr wollte immer von mir wissen, wann der Beginn und das Ende einer Wehe war. Ich habe nur gedacht: “Wenn ich kurz vorm Sterben bin, dann habe ich eine Wehe – wenn ich kotze, dann nicht mehr”.

Am nächsten Krankenhaus angekommen habe ich 20 Minuten im Krankenwagen gewartet, da sie mich erst anmelden mussten. Ob jemand bei mir war, weiß ich nicht. Aber zum Glück hatte ich meine Kotztüte.

Endlich Angekommen

Alleine im Untersuchungsraum musste die Hebamme dort wieder ein CTG machen, da vom ersten Ort die Dokumente nicht weitergegeben wurden! Kurz vorm Weinen habe ich gefragt, ob ich wenigstens währenddessen stehen könne. Das konnte ich, aber es hat leider nicht geklappt und ich musste mich dann doch hinlegen. Nach der Untersuchung hat die Hebamme festgestellt, dass ich mich 3 cm geöffnet hatte.

Mein Mann war mittlerweile da, aber jetzt wollte ich nicht mehr. Ich habe nach einer PDA gefragt. Die Hebamme hat mir Lachgas und die Wanne angeboten, aber ich konnte einfach nicht mehr und habe die Vorschläge abgelehnt! 

Wir sind ins Zimmer gegangen und die Anästhesieärzte sind schnell gekommen um mir die PDA zu legen. Ich musste komplett still sitzen während der Arzt mich gestochen hat und durfte meinen Kopf an die Schluter der Hebamme legen.

Ausatmen und Ausruhen

Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass jemand für mich da ist. Viel, viel zu spät in diesem Verlauf. Die Wehen haben komischerweise nicht so weh getan und wäre ich so die ganzen vorherigen Stunden aufgenommen worden, hätte ich die PDA vielleicht gar nicht gebraucht. Oder wenigstens erst viel später.

Eigentlich wollte ich die Wehentropfen nicht haben, da ich so oft gelesen hatte, dass eine PDA zu Wehentropfen führt und alles dann ganz oft in einem Kaiserschnitt endet. Ich weiß aber, dass man “muss”, um die Wehen beizubehalten. Aber bevor ich die Chance hatte hierüber nachzufragen, hatte ich schon die Tropfen bekommen. Okay, egal dann. 

Die PDA hat super funktioniert und das Drücken während der Wehen, worüber die Hebamme gesprochen hat, habe ich kaum gespürt. Beide, mein Mann und ich, sind danach eingeschlafen und die Hebamme kam zwischendurch und hat das CTG abgelesen.

Mehrere Medikamenten

Nach ein paar Stunden musste ich nochmal gespritzt werden. Ich habe nicht rechtzeitig Bescheid gesagt und habe die Schmerzen in vollem Ausmaß wieder erlebt! Da glaube ich, habe ich sehr geschimpft. Als das Drama aber vorbei war, hat die Hebamme erzählt, dass die Herztöne des Babys in den Wehenpausen zu niedrig waren.

Eine neue Untersuchung hat gezeigt, dass ich mich weiter geöffnet hatte, aber dass der Kopf noch sehr hoch lag. Ich habe gefragt, ob ich dann nicht besser stehen und mit der Schwerkraft arbeiten sollte, aber die Hebamme hat gemeint, dass es reicht zu liegen. Ich war etwas verunsichert, aber da ich KO war, habe ich das so angenommen.

Die Hebamme hat dann Blut von mir abgenommen und festgestellt, dass ich Antibiotika bekommen sollte. Sie hat das und die fehlende, zeitliche Feststellung des Blasensprungs gesehen und schon da einen Kaiserschnitt erwähnt. Alle zwei Stunden habe ich weiterhin eine neue Spritze bekommen.

Die Herztöne des Babys machen Achterbahnen!

Das CTG lief die ganze Zeit weiter und immer wieder habe ich schlechte Nachrichten bekommen. Das Köpfchen liegt noch zu hoch, die Herztöne sind in den Wehenpausen zu niedrig und während der Wehen zu hoch. Wieder hat die Hebamme von einem Kaiserschnitt gesprochen.

Dann waren alle Faktoren so schlecht, dass jetzt eine Mikroblutuntersuchung durchgeführt werden musste. Also die Beine hoch in die Auflagen, Spekulum rein und dann wurde gefummelt und gefummelt. Eine Probe wurde genommen das Spekulum rausgeholt, dann kam die Ärztin zurück und alles musste von vorne gemacht werden, da zu viel Fruchtwasser in der Probe war.

Das endete in einem 45 Minuten langen Prozess voller neuer Schmerzen, einer unangenehmen Position, viele Leute im Raum und unendliche Blutabnahmen – mein armes Kind – und ich habe mir  innerlich gesagt: “Dann macht doch den scheiß Kaiserschnitt und lasst mich und mein Baby in Ruhe!”.

Kaiserschnitt? Kein Kaiserschnitt?

Während wir auf das Ergebnis gewartet haben, hat die Hebamme mir hoch und runter von einem möglichen Kaiserschnitt erzählt. Als wir endlich das Ergebnis bekommen haben, sahen die Werte gut aus. Und ich war erstmal erleichtert.

Da ich bei 8 cm Geburtsstillstand hatte und die Herztöne meines Sohn immer noch Achterbahnen gemacht haben, haben wir uns geeinigt, eine Stunde zu warten um nach Verbesserungen Ausschau zu halten. Wenn keine vorhanden sind, würden wir uns für einen Kaiserschnitt bereit machen.

Die Stunde war schnell rum und es hat sich keine Verbesserung gezeigt. Weinend habe ich meine Erlaubniss für den Kaiserschnitt gegeben. Natürlich sollte mein Kind sicher zur Welt kommen, aber ICH hatte absolut keine Lust auf diese große OP.

Im OP Raum

Während die Ärzte und Hebammen mich im OP Raum vorbereitet haben, musste mein Mann im Kreißsaal warten. Alle waren sehr lieb und nett und als sie meinten, dass ich bald meinen Sohn haben werde, bin ich zusammengebrochen. Es war mir alles viel zu viel.

Als die Betäubung in Ordnung war, habe ich gedacht, dass sie anfangen – aber mein Mann war noch nicht da. KOMPLETTE ANGST und ich habe mehrmals nach ihm gefragt. Er kam rein und saß neben meinen Kopf, wo meine Arme zur Seite festgeschnallt waren. Sehr gruselig so ausgesetzt da zu liegen

Mein Mann hat kurz geweint und gesagt “Wir bekommen gleich unseren Sohn.”. Das war so ein schöner Moment. Und ich konnte ihn gar nicht annehmen. Ich hatte Angst, ich war erschöpft und ich habe gezittert. Zum Glück ging alles sehr schnell als sie erstmal angefangen hatten.

Ich bin Mama geworden

Mein Sohn wurde neben meinen Kopf gelegt. Ich habe so doll gezittert, dass ich Angst hatte ihn damit vom Bett zu schieben. Mein Nacken tat beim Versuch meinen Sohn anzuschauen so weh und ich wollte wieder kotzen, da es so viel im Bauch geruckelt hatte. Nicht ganz die erste Begegnung, die ich mir vorgestellt hatte.

Ich musste dann leider die Hebamme beten meinen Sohn zu nehmen. Sie, mein Mann und mein Sohn sind zurück in den Kreißsaal gegangen und ich lag immer noch auf dem Tisch, mein Körper völlig außer Kontrolle.

Als auch ich zurück im Kreißsaal war, wollte ich einfach nur meinen Sohn haben. Ich habe noch so doll vor Überanstrengung, Erschöpfung und Adrenalin gezittert, aber als ich ihn bekommen habe und an meine Brust angelegt habe, ist es in diesem Moment, als ob alles was davor war, nie war

Stay tuned für Teil 3: Die Nachfolgen

Katrine unterrichtet Yoga für Kaiserschnitt-Mamas vom Herzen. Es wird ein vertrauensvoller Raum geschaffen, in dem Frauen ihre Geschickte loswerden können, egal ob der Kaiserschnitt geplant oder akut war. Voneinander zu lernen ist für sie so bedeutsam und lohnend.  

Weitere Informationen: https://vitamin-bewegung.de/ruckbildungskurs-nach-kaiserschnitt

Katrine Kroløkke Allibert

Katrine ist es wichtig ein gesundes Training anzubieten. Zusammen sprechen wir über und erarbeiten Körperstellungen, die Wahrnehmung vom Selbst und Atemübungen. Ihre Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in allen Levels ist für sie purer Genuss.

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