Die Geburt meines ersten Kindes ist wirklich komplett anders verlaufen, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte eine super einfache Schwangerschaft mit fast keinen Beschwerden und habe deswegen erwartet, dass die Geburt genauso “leicht” verlaufen würde. 

Dies ist mein Bericht darüber, wie ich zum ersten Mal Mama geworden bin – mit einem unerwünschten Kaiserschnitt. 

 15 Tage nach dem Kaiserschnitt

15 Tage nach dem Kaiserschnitt

Kurz vorm Sterben vor lauter Durst habe ich die kleinste Tasse Tee meines Lebens bekommen. Als die Hebamme den Raum verlassen hatte, habe ich meinen Mann gebeten, mir Wasser zu geben und habe bestimmt 1 Liter oder mehr getrunken.

Ich weiss gar nicht, ob wir im Kreißsaal noch ein bisschen Frühstück bekommen haben, aber ich habe die Hebamme gefragt, ob es möglich ist in das Familienzimmer auf der Wochenbettstation zu kommen. Ich wollte einfach weg von diesem Raum, in dem “nichts Gutes” geschehen ist. Und ich wollte meine Ruhe.

Zum Glück war das möglich und wir sind relativ schnell dorthin gefahren worden. Ich habe plötzlich die schlimmsten Bauchschmerzen bekommen, als ob Luftballons da drin aufgepustet wurden. Mir wurde dann erzählt, dass man nach einer OP nur Fenchel Tee trinken soll um keine Blähungen zu bekommen. Toll, dann gebt doch bitte den Leute eine Tasse, in die nicht nur ein einziger Schluck rein passt. ABER….

Sommer, Sonne und Schmerzen

Es war Sommer, heiß und sehr einengend auf dem Zimmer. Den ersten Tag verbrachte ich im Bett und wir waren sehr glücklich unseren Sohn kennenzulernen. Ich war jedoch traurig, dass ich ihn nicht aus dem Babybett nehmen konnte oder ihn selber wickeln konnte. Nicht ganz wie ich es mir vorgestellt hatte Mutter zu werden.

Früh morgens, vielleicht um 4 Uhr, sind die Schwestern rein gekommen um den Katheter zu entfernen und mir weiter Antibiotika zu geben. Ich habe diese Nadel in der Hand gehasst. Es war so unangenehm. Aber ab jetzt hieß es, aufstehen und bewegen, der Körper in Gang setzen.

Nach dem Frühstück haben wir einen kleinen Spaziergang gemacht. Das Babybett habe ich als Stütze benutzt und dann sind wir losgegangen. Am Ende des Stationen-Flurs lag eine Frau im Bett, die Schwester ist zu ihr gegangen und 1 Sekunde später ist sie aufgestanden, hat selbst ihr Baby genommen und ist losgegangen. 

Ich bin weinend zusammen gebrochen – das wollte ich doch auch können! Bei mir hat es unendlich lange gedauert, mit purer Armkraft, Milimeter für Milimeter aus dem Bett zu kriechen. Komplett vorgebeugt bin ich mit kleinen Schritten zum Babybett gelaufen (das Baby nehmen können – vergiss es) und erst dann konnten wir los.

Die Heilungsphase

Am 5ten Tag sind wir entlassen worden. Die Fahrt nach Hause war furchtbar und jeder kleine Hubbel hat so weh getan in meiner frischen Wunde. Aber zu Hause anzukommen war das beste! Meine Schultern sind gefühlt 20 cm runter gefallen. Es ist mir erst dann klar geworden, dass ich im Krankenhaus sehr gestresst war. Jetzt kam die erste richtige Heilungsphase – und nicht nur körperlich.

Der unerwartete Verlauf der Geburt hat mich sehr getroffen und vielleicht, weil ich mich damit nicht verbinden konnte, war ich so “hilflos”. Mein Mann hat mir mit allem geholfen, ich konnte nichts. Ich saß nur auf der Couch den ganzen Tag und habe überall Schmerzen gehabt. Ich war unglücklich und habe mich alleine gefühlt. 

Ich habe mich so gefreut mich nach der Geburt wieder bewegen zu können – und jetzt war ich noch mehr eingeschränkt. Meine Hebamme ist zu Besuch gekommen und hat mir dann erzählt, wie enttäuscht sie über die Hebammen im Kreißsaal war – das hat mir wirklich nicht geholfen, da ich sie sehr nett und liebevoll fand. Also bitteschön, weitere Gedanken für mein Gedankenchaos! Top.

Ich habe Schuldgefühle gehabt, dass ich nicht “herausfinden” konnte, wie ich meinen Sohn zur Welt bringen sollte. Ich habe ihn ja gar nicht geboren. Ich als Frau habe meine allerfeinste Aufgabe nicht geschafft – ich bin ein Versager! Ich bin schlecht und nicht gut genug. Und das war nur der Anfang.

Körperlich und geistig fit werden

Knapp nach einer Woche habe ich angefangen um den “Block” zu spazieren und nach 4 Wochen habe ich mein Trainingsprogramm angefangen. Es hat mir so gut getan mich zu bewegen. Auch für das Gedankenchaos. Ich habe mich relativ schnell fit gefühlt, aber die große Trauer war noch da.

Wenn ich zufällig über Geburten im Internet gestoßen bin, habe ich immer angefangen zu weinen. Ich hatte überhaupt keine Lust über schöne Geburten und wie toll das alles sein kann zu hören oder zu lesen. Es hat mich jedes Mal so hart getroffen

Ich habe schnell über ein zweites Kind gesprochen – in erster Linie, weil ich beweisen wollte, dass ich natürlich gebären kann. Und ich wollte auch eine schöne Geschichte haben. Eine, bei der ich nicht jedes Mal weinen muss, wenn ich drüber nachdenke oder rede.

Es wird Tag für Tag immer besser

Diese Geburt sitzt tief in mir und ist leider nicht ein Erlebnis, auf das ich mit Freude zurückblicke. Tag für Tag wird es besser, ich kann meine Geschichte ohne zu weinen erzählen und habe es mittlerweile akzeptiert. Ich habe aber immer noch Tage, an denen ich sage “Wenn dies oder das so passiert wäre, hätte ich den Kaiserschnitt vielleicht gar nicht gebraucht”. Aber diese Tage sind weniger geworden. 

Ich freue mich sehr, dass es überhaupt möglich ist die Kinder per Kaiserschnitt zu gebären – JA, ich habe meinen Sohn geboren! Man darf aber nicht vergessen, was man als Frau bei einem Kaiserschnitt durchstehen muss – davor, während und danach! Körperlich und geistig. Aber im Endeffekt:

Ich bin glücklich einen gesunden Sohn zur Welt gebracht zu haben!

Katrine unterrichtet Yoga für Kaiserschnitt-Mamas vom Herzen. Es wird ein vertrauensvoller Raum geschaffen, in dem Frauen ihre Geschickte loswerden können, egal ob der Kaiserschnitt geplant oder akut war. Voneinander zu lernen ist für sie so bedeutsam und lohnend.  

Weitere Informationen: https://vitamin-bewegung.de/ruckbildungskurs-nach-kaiserschnitt

Katrine Kroløkke Allibert

Katrine ist es wichtig ein gesundes Training anzubieten. Zusammen sprechen wir über und erarbeiten Körperstellungen, die Wahrnehmung vom Selbst und Atemübungen. Ihre Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in allen Levels ist für sie purer Genuss.

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