Die Welt der Tragetücher ist eine Wissenschaft für sich. Es gibt viele Marken, Tücher, Farben und noch viel mehr – kein Wunder, dass man sich etwas überfordert fühlen kann. Mit diesem Artikel hoffe ich ein bisschen Klarheit über das Tragen und dessen Möglichkeiten zu schaffen.

Wieso Tragen?

Sein Kind zu tragen ist ein wunderschöner Weg auf seine Bedürfnisse einzugehen. Es hilft dem kleinen neuen Weltbewohner seine Temperatur zu regulieren, seinem kleinen Herzen wird ein Rhythmus von Mama oder Papa vorgegeben und es schafft Geborgenheit so nah zu der Bezugsperson zu sein.

Die Sinne des Babys werden hervorragend gefördert. Es kann den Tragenden schmecken, riechen, fühlen, hören, sehen und zusätzlich wird noch das Gleichgewicht geübt. Durch die Unterstützung für Hüfte und Wirbelsäule wird auch diese Entwicklung des Kindes gefördert – wenn richtig getragen wird.

Mama oder Papa werden durch das Bonding zum Kind gestärkt. Die Arme werden entlastet und Ausgleichsbewegungen, die entstehen können, wenn das Baby lange auf dem Arm getragen wird, werden vermieden. Das Tragen kann dem neuen Familienrhythmus einen vereinfachten Anfang verschaffen.

Worauf soll beim Tragen geachtet werden?

Beim Tragen ist es wichtig, dass die Hüfte des Babys richtig unterstützt wird. Bei Neugeborenen sollten die Knie sehr angewinkelt sein und die Spreizung der Beine eher klein gehalten werden. In Verbindung mit der Entwicklung des Babys verändert sich diese Anhock-Spreizhaltung – auch “M-Position” genannt. So wie das Baby von selbst aus den Beinen anhockt, wenn es auf dem Arm getragen wird, soll es auch im Tuch sein.

Auch auf die Wirbelsäule des Babys ist zu achten. Das Baby soll gerade, symmetrisch und aufgerichtet getragen werden – angepasst an die Entwicklung. Ein Neugeborenes hat eine komplett runde Wirbelsäule und soll dementsprechend so getragen werden. So entsteht die beste Möglichkeit für eine gesunde Entwicklung.

Aber die Rückbildung der Frau darf auch nicht vergessen werden. Auf ein neutrales Becken, bei dem das Steißbein zum Boden ausgerichtet ist, auf einen geraden Rücken und aufgerichtete Schultern soll beim Tragen geachtet werden. Das gilt natürlich auch für Papa, auch wenn er normalerweise nicht unter einem schwachen Beckenboden und Rektusdiastase leidet.

Die Tragetücher – elastisch oder gewebt?

Die elastischen Tücher werden für Neugeborene und Frühchen empfohlen. Aber egal wie eng man die Tücher bindet, es wird immer eine Schwingung wegen des Elastans geben. Neugeborene und Frühchen brauchen eher Stabilität. 

Das Tuch muss in drei Schichten gebunden sein um sicheres Tragen zu gewährleisten. Also wird es in der Sommerzeit recht warm damit. Auch wenn das Kind an Gewicht zunimmt, wird es schnell unangenehm sein mit elastischen Tüchern zu tragen – wieder fehlt die Stabilität, das Kind sinkt mehr und mehr im Tuch ein und drückt auf den Tragenden.  

Das schöne an diesen Tüchern ist, dass man sie nur einmal binden muss und das Baby dann durchaus den ganzen Tag reinsetzen und rausholen kann, ohne wieder neu binden zu müssen.

Gewebte Tücher sind ohne Zweifel die Trage, die man auch für Frühchen und Zwillinge vom Anfang bis zum Ende der Tragezeit benutzen kann. Du kannst dein Baby vorne, hinten und auf der Hüfte tragen. Im Sommer hast du eine Picknickdecke sofort zur Hand. Im Winter kannst du sie als Schal benutzen. Du hast die Trage dabei, aber sie nimmt keinen Platz weg. Sie sind unheimlich vielfältig – aber das braucht Übung!

Wenn das Binden erstmal richtig sitzt, bist du mit einem Tuch genau so schnell, wie wenn man eine Tragehilfe benutzt. Dazu muss erwähnt werden, dass es verschiedene Webarten gibt und, dass sich manche für Anfänger besser eignen, als andere.

Im Großen und Ganzen bist du hier mit etwas Mühe am Anfang sehr gut aufgehoben – aber Vorsicht, bist du erst einmal in der Welt der Tücher gefangen, kommst du nie mehr raus. Regel Nr. 1 für den Kauf eines Tuches: Hol dir eins, das du wunderschön findest, sonst wird es hinten im Schrank liegen!

Kreuzköper, Diamantköper, Fischgratköper und Jacquard

Die Kreuzköper-Webart kann man daran erkennen, dass die rechte und linke Seite des Tuches gleich aussieht. Sie ist einfarbig oder mit Streifen. Sie fühlt sich in der Hand fester an, als die anderen Webarten und ist für Trageneulinge einfacher zu binden, da sie dir verzeihen wird, wenn die Bindeweise nicht ordentlich gestrafft wurde.

Diamantköper erkennt man an den kleinen Rauten. Auch dieses Tuch sieht auf beiden Seiten gleich aus. Bei gewebten Tüchern ist die Länge und Breite undehnbar. Wenn man jedoch diagonal ins Tuch reingreift, kann es sich hier dehnen um die Haltung des Babys optimal zu unterstützen.

Fischgratköper sehen wie kleine Pfeile aus, das Tuch sieht auf beiden Seiten gleich aus. Allerdings kann es für Anfänger schwierig zu straffen sein.

Jacquard ist die Webart, die man durch die Tücher mit Mustern und Motiven erkennen kann. Die Farben an der rechten und linken Seite unterscheiden sich. Hier soll man sehr präzise binden um eine angenehme Zeit für den Tragenden und den Tragling zu schaffen. Mit dieser Webart muss man also etwas mehr üben, damit es nicht zu locker gebunden ist. Sonst übt das Druck aus und kann nach oder während des Tragens schmerzen.

Wenn du Zweifeln oder Bedenken hast oder du dich unsicher mit deinem Kauf fühlst, kannst du immer Trageberater/innen in deiner Nähe finden. Sie können zu dir nach Hause kommen, oder die Beratung findet bei dem/der Berater/in statt. Zum Schluss ist nur noch zu sagen: Schöne Tragezeit.

Katrine nutzt seit ihrem ersten Kind Tragetücher. Es ist eine große Leidenschaft von ihr und sie findet nichts besser, als wenn sich ihre Kinder im Tuch geborgen fühlen und sie dort mühelos in den Schlaf sinken. Katrine bietet Eins-zu-eins-Trageberatung an und freut sich immer wieder Eltern mit ihrer Leidenschaft anstecken zu können.

Katrine Kroløkke Allibert

Katrine trägt seit ihrem ersten Kind. Für sie gibt es einfach nichts besseres als ihre Kinder ganz nah am Herzen zu haben. Dieses Gefühl und diese Liebe möchte sie an werdende Eltern, junge Familien und Familien mit Kleinkindern weitergeben.

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